Vom Haus der ausgesetzten Zeit

Oasi

 

Vom Haus der ausgesetzten Zeit
(Dalla dimora del tempo sospeso)

 

I.

am Äußersten der Pupillen
wo das Zimmer in flachen Nebelschwaden verschwimmt
beobachtet ein Kind nachdenklich den Schattenschleier
der mein Gesicht
in fiebrig kummervollen Zügen neu zusammenfügt –
ich spüre seine Augen Risse am Horizont schließen
und meine Stimme, einen schwachen Gruß flüsternd,
in tränenloses Erstaunen zurückfallen,
Kadenz aus Seufzern, Klangknäuel
das gnadenlos am Wegrand strandet
seiner Jahre, so kurz an Tagen –

im Lichtlosen das Zittern meiner Hand
das zu den Lippen die Schwere versteinter Sterne schleppt
es ist ein unterirdisches Gift
das den Stoff seiner Träume zerfasert
den Zauber löst, der mit Pollen und Schleiern
unerforschte Ebenen speiste einer Welt nach Atemmaß –
verloren in einer unbegreiflichen Wüste
wie ein Vogel, der Quellen verkündenden Blitzen folgend
im Fluge fiel,
schaut er zur Verzweiflung seines Blickes
auf meinen schlohweißen Bart
wie auf eine blühende Fackel
in der Stille flügelloser Lichtungen, der Leere
wo er glaubte dem Himmel zu begegnen –
mit schneeleichter Zunge,
welche die Spiegel der Seele beruhigt
fleckenlos das Alphabet seines werdenden Universums
möchte ich ihm sagen können,
dass der vom grünen Kindheitsfeuer
gezeichnete Jahreskreis sich mit den Jahren wandelt,
Fluss auf seinem unaufhaltsamen Weg zur Mündung –
dass die Morgenröte, die das Finster zerstreut
und den Farben die Formen des Lebens enthüllt,
unwandelbar anhebt dem Staube zu weihen
unser Schicksal zu sein, vorüberzugehen
und heute ist sie aufgestiegen um ohne Morgen zu hellen
das Haus der ausgesetzten Zeit
wo selbst Wasser schwer auf Schwellen schweigt
und die Strömung Welle ist ohne Echo im Meer der Geschichte –
ich möchte ihm sagen können, doch das Wort hält sich zurück
wie Wind, der die Spur auf dem Wege verloren.
denn kein Wissen ist, kein Bild, das den Schmerz der Begegnung
an die Ränder verbannte,
keine Träne, die nicht eine Furche grübe
unauslöschliche Einsamkeitsspur
wenn der Schmerz in die Weiße einer Seite ohne Erinnerung bricht
und wie Dornensamen
in fruchtbarer, vergangenheitsloser Frühlingserde
bittere Blüten treibt –
ich will sie für mich behalten wie eine Reliquie
die Wunde jener verstummten Quelle –
vielleicht werde ich ihm morgen vom Stern der Wiederkehr erzählen,
der Landkarte des Schiffbruchs auf der Haut
der Insel die durch ein sommerliches Wunder wieder aufgetaucht
nach dem Sturm – morgen, vielleicht
werde ich ihn lehren können Sande zu segeln
den Durst entlang sicher der Oase zu

(Trad. di Stefanie Golish)

 

***

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